Im Gespräch mit Herbert Schweiger, Geschäftsführer der VHS

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BUM: In einem Artikel der Zeitschrift „Augustin“ haben Sie gesagt, dass Sie ein klassischer Schulversager sind. Wie kam es dann dazu, dass Sie sich heute beruflich für das Thema Bildung und Schule einsetzen? SCHWEIGER: Das habe ich mich auch lange gefragt. Dass ich ein klassischer Versager bin, würde ich nicht sagen, aber ich bin ein Schulabbrecher. Also ich habe fast keine Schule zur Gänze besucht. Ich bin dann auch ein Jahr vor der Matura aus der Schule ausgetreten, weil ich einen Fünfer hatte und ich nicht mehr weiter in die Schule gehen wollte. Daraufhin habe ich jahrelang nichts gelernt und irgendwann bin ich dann über die Umweltberatung, die ja zu den Volkhochschulen gehört, in die Nähe der Volkshochschulen gerückt. Die habe ich dann beraten, weil ich ja im Marketing tätig war. So bin ich also zu den Wiener Volkshochschulen gekommen. Für die klassische Wirtschaft arbeiten wollte ich nicht mehr. Ich habe so eine Identitätskrise gehabt, könnte man sagen und habe mich dann entschlossen, eher im Nonprofit-Bereich tätig zu werden.  Da haben sie  mich dann gefragt, ob ich nicht wieder unselbstständig werden will. Zuvor war ich nämlich selbständig und so haben sich dann neue Möglichkeiten aufgetan. Hier habe ich gemerkt, dass Lernen auch Spaß machen kann, was ich mir vorher unmöglich vorstellen konnte. Die Schule hat mir nämlich nie wirklich Spaß gemacht. Ich war zwar Landesschulsprecher, aber das war interessanter als am Unterricht teilzunehmen.

In der Zentrale der Volkshochschulen wurde jemand für die Öffentlichkeitsarbeit gesucht, ursprünglich komme ich ja aus diesem Bereich, Öffentlichkeitsarbeit, Werbung und Marktforschung. Ich habe dann durch meine Arbeit so eine Nähe zu den Volkshochschulen bekommen, dass mich das Lernen plötzlich auch selber interessiert hat und ich bemerkt habe, dass es auch wirklich Spaß machen kann. In meinen Ambitionen wurde ich von den Wiener Volkshochschulen unterstützt und habe dann im zweiten Bildungsweg insgesamt drei Master gemacht (lacht). Der Grund dafür war, dass ich auch für das, was ich kann, einen Nachweis habe. Das ist typisch österreichisch, glaube ich. Es ist in Österreich irrsinnig schwierig, dass man anerkannt wird, wenn man nicht irgendwo einen Beleg dafür hat. Es war aber  auch für mich sehr schön, wieder mit anderen Leuten gemeinsam zu lernen, oder eine Arbeit zu schreiben, sich wissenschaftlich mit Dingen auseinanderzusetzen, das war wirklich schön.  Erst zu Beginn meiner 40er habe ich gemerkt, dass Lernen richtig schön sein kann. Darum ist es mir auch so wichtig, dass dieser Gedanke aufrechterhalten wird. Weil ich selbst davon profitiert habe, dass es eine offene Möglichkeit gibt, das alles nachholen zu können, Selbst für Leute, die die Schule abgebrochen haben.

BUM: Die Wiener Volkshochschulen wollen Bildung für jeden zugänglich machen. Für wen ist die Bildung in Österreich noch unzugänglich? SCHWEIGER: Ich glaube in Österreich, insbesondere aber in Wien, gibt es viele Möglichkeiten, Bildungszugänge zu erreichen. Das Problem ist, dass der Zugang, natürlich monetär, oft eine Frage ist. Da leisten die Volkshochschulen aber wirklich viel, indem es ja bei uns auch Angebote für Menschen gibt, die wenig, beziehungsweise ganz wenig, Geld zur Verfügung haben. Da sind die Kurse billiger und dafür gibt es dann auch Förderungen.  Die Stadt Wien gibt uns ja auch schon sehr viele Mittel, damit die Kurse an sich schon billiger wären, damit sich die Menschen das leisten könnten. Aber es gibt eben Menschen, die ein sehr geringes Einkommen haben und sie selbst haben dann immer noch eine Chance, die Bildung nachzuholen. Ich glaube, die Barrieren sind woanders. Die Barrieren sind oft in den Köpfen der Menschen, sie können sich selbst manchmal gar nicht vorstellen, etwas dazulernen zu können, weil sie sich oft durch ihre Erfahrungen im Leben gar nicht geeignet halten oder meinen, es ist zu schwierig oder so. Ich glaube, man muss auch Barrieren abbauen – Barrieren in den Köpfen abzubauen.

BUM: Sie sind seit einem Jahr Geschäftsführer der Wiener Volkhochschulen, Ihr Resümee? SCHWEIGER: Persönlich: Es macht unheimlich Spaß (lacht), es ist unheimlich anstrengend, das habe ich gar nicht geglaubt (lacht). Ich bin stolz darauf, das muss ich auch sagen, weil es eine Organisation ist, die eine Riesengeschichte hat, was Weiterbildung und Erwachsenenbildung in Wien betriff, auf die man wirklich stolz sein kann. Heuer hatten wir übrigens unser 130-jähriges Jubiläum. Ich glaube, dass wir auf einem wirklich guten Weg sind, wir gehen jetzt auch verstärkt in die Digitalisierung. Trotzdem ist es meine Ambition zu sagen: Digitalisierung heißt nicht,  dass ich die Idee der Wiener Volkshochschulen, nämlich den analogen Unterricht, das gemeinsame Lernen, das von- und miteinander Lernen mit der Digitalisierung aufhören muss, sondern die Digitalisierung als Unterstützung zu sehen ist,, um den Unterricht noch effizienter zu gestalten und diese Art von Lernen noch besser zu machen.

BUM: Welchen VHS-Kurs würden Sie am liebsten als nächstes besuchen? SCHWEIGER: Ich muss ehrlich sagen, ich habe fast keine Zeit, aber bis ich Geschäftsführer geworden bin, habe ich noch einen Schlagzeugkurs besucht und zwar einige Jahre hindurch. Was würde ich gerne machen? (überlegt) Also ich habe zwei Träume, die ich noch gerne verwirklichen würde, was das Lernen betrifft: Es gibt eine Sprache, die ich liebe und das ist Italienisch. Da komme ich irgendwie nie dazu, sie zu lernen, das habe ich mir aber geschworen – irgendwann mache ich das. Die zweite Sprache, die ich noch lernen möchte ist Bulgarisch, weil ich sehr viele Freunde habe, die Bulgaren sind. Ich habe nämlich sehr lange in Bulgarien gearbeitet, habe aber auch viele Freunde hier in Österreich, die bulgarischer Abstammung sind. Ich finde, es gehört schon dazu, dass ich Bulgarisch lerne, weil ich dem Land sehr viel verdanke. Ich habe dort eine Riesenfreude gehabt, ich habe dort gut arbeiten können, ich habe ganz, ganz liebe Menschen kennenglernt und es ist eine Schande, dass ich nie Bulgarisch gelernt habe, als ich dort war, das muss ich auch mal nachholen.

BUM: Zu unangenehmen Dingen: Die ÖVP und die FPÖ haben sich auf ein völlig neues Bildungsprogramm geeinigt: Bezahlung von Lehrern nach Leistung, Deutsch vor Schuleintritt, verpflichtender Ethikunterricht und Ziffernnoten in Volkschulklassen. Was halten Sie für sinnvoll und was nicht? SCHWEIGER: Hmm… (lacht verschmitzt). Aso erstens ist es ja noch nicht ganz durch, man kann sich ja vieles vornehmen und was dann wirklich kommt, ist die Frage. Ich glaube schon, dass gewisse Dinge etwas überzogen sind, um es einmal so auszudrücken. Ich halte mich hier aus der Diskussion heraus, wie man bewerten möchte, wie die Leistung der Lehrerinnen und Lehrer ist. Das wird eine ganz schön haarige Geschichte. Ich habe kein Problem mit leistungsbezogenen Gehältern, aber ich frage mich in Bezug auf die Bewertung, wie man das feststellen soll. Das wird nicht einfach werden. Noten oder keine Noten? Meine Kinder haben zum Großteil verbale Beurteilungen bekommen. Das Problem dabei ist, dass sich Kinder und vor allem auch die Eltern dann oft die Frage stellen, was das jetzt eigentlich heißt und wo das eigene Kind steht. Ich weiß, dass sehr viele Kinder und auch Eltern oft selbst Noten wollen. Ich bin nicht so ein Fan von Noten, aber die wollen das – weil die Orientierung dann besser ist, wo man eigentlich steht. Ob das den Lernerfolg erhöhen wird, weiß ich nicht, ich kann mir das aber nicht vorstellen, dass eine Note den Lernerfolg verbessert. Was ich für wirklich bedenklich halte, ist die Absicht, den Kindern, die vernachlässigt werden, die Sozialleistungen zu streichen. Das halte ich tatsächlich für bedenklich. Dass man hier etwas machen muss, dass es mehr Elternbildung braucht, dass die Eltern mehr in die Pflicht genommen werden müssen, der  Überzeugung bin ich auch. Aber ich denke mir, wenn Sie den Eltern die Sozialleistungen kürzen, trifft es wieder die Kinder. Das heißt, die Situation kann sich eigentlich nur verschlechtern und nicht verbessern. Ich glaube, es geht mehr um die Anreize. Ich bin zum Beispiel ein großer Fan der verpflichtenden Elternbildung, aber das kann ich nur über Anreize und nicht über Abzüge schaffen.

BUM: Was bedeutet verpflichtende Elternbildung? SCHWEIGER: Also ich würde gerne haben, dass die Eltern sich zusätzlich bilden müssen. Das kann auch über das Internet sein, es ist ja heute auch möglich, sich Wissen über das Internet anzueignen. Eltern sollen zumindest wissen: In welcher Entwicklungsphase befindet sich mein Kind, was braucht mein Kind in dieser Phase von mir? Häufig fehlt Eltern die Orientierung, weil sie nicht wissen, wie sie in gewissen Phasen mit den Kindern umgehen sollen. Das hat mit Vernachlässigung gar nichts zu tun, sondern ist einfach oft Unwissen. Es wäre schon wichtig, dass Eltern sich dieses Wissen aneignen müssen. Aber ich kann nicht sagen: „ Wenn du das nicht machst, wird dir was abgezogen.“ Sondern man muss sagen: „ Wenn ihr was tut, dann kriegt ihr was dafür.“ Aber ich glaube, man kann das nicht. Auch was „Vernachlässigung“ betrifft, das fällt in denselben Kanal. Ich kann nicht sagen: „Wenn es so ist, bekommt ihr was abgezogen“. Sondern ich muss sagen: „Wenn ihr was tut, dann bekommt ihr was dafür“. Also ich glaube, Belohnungssysteme zu schaffen, wäre gescheiter als Mahnungssysteme.

BUM: Was ist mit Deutschklassen? Sind sie sinnvoll? SCHWEIGER: Ich  weiß nicht, ob das die Meinung der Gesamtorganisation ist, aber meine persönliche Meinung ist, dass es eher eine Exklusion ist, wenn ich Deutschklassen schaffe, in denen jene drinnen sitzen, die nicht gut Deutsch können. Somit ist das für mich keine Inklusionsmaßnahme. Dass es wichtig ist, dass Kinder Deutsch können, zu dem stehe ich, aber ich weiß nicht, ob Deutschklassen eine gute Idee sind.

BUM: Wie sollte die Schule der Zukunft ihrer Meinung nach aussehen? SCHWEIGER: Ich meine, zum Glück bin ich in der Erwachsenenbildung! (lacht)

BUM: Oder die Erwachsenenbildung der Zukunft? SCHWEIGER: Die Erwachsenenbildung der Zukunft. Was ich mir wünschen würde in der Erwachsenenbildung? Dass sich etwas wieder ein wenig zurückentwickelt. Was sehr stark kommt und auch schon gekommen ist, das ist die Orientierung im Hinblick auf Verwertbarkeit.  Erwachsenenbildung hat nur dann gesellschaftlich, oder zumindest von der Politik her, einen Rang, wenn sie zur beruflichen Weiterbildung dient, wenn man sie beruflich verwerten kann – in der Wirtschaft, oder auch persönlich. Wir merken, dass das sogar bei den Teilnehmern oft ein wichtiges Kriterium ist. Kann ich das für mich verwerten – beruflich? Ich glaube, das ist eher ein Rückschritt. Hier sollten wir wieder zu wesentlich offeneren Gedanken, was Erwachsenenbildung betrifft, zurückkehren. Denn eigentlich ist alles, was ein Mensch lernt, für ihn persönlich verwertbar. Die Frage ist nur: „Muss ich das immer für den Beruf tun, oder mache ich es über Umwege nicht ohnehin für den Beruf?“ Ich nehme hierfür immer das Beispiel „Einrad fahren“. Einrad fahren, kann man sagen, ist beruflich nicht relevant. Auf der anderen Seite, wenn ich weiß, dass jemand Einrad fahren gelernt hat, dann weiß ich, der Typ ist unheimlich konsequent, er hat eine hohe Disziplin, weiß was Gleichgewicht ist und solche Dinge. Das heißt, da ist ein gewisser Ehrgeiz erkennbar, eine gewisse Disziplin. Und das macht ja einen ganzen Menschen aus. Was ich damit im Beruf anfangen kann, oder nicht und wie es sich im Beruf auch ergibt.

BUM: Sie haben erzählt, Sie spielen Schlagzeug. Jetzt habe ich ein neues Bild von Ihnen. Es war vorher auch nicht schlecht, aber es ist was Neues. SCHWEIGER: Das ist etwas, was mein Vater hätte wissen müssen. Ich wollte ja schon mit 12 Jahren Schlagzeug lernen, ich habe auch die Möglichkeiten dazu gehabt, nur hat es mir mein Vater verboten, weil ich so schlecht in der Schule war. Ich war also nicht nur ein Schulabbrecher, ich war auch immer schlecht in der Schule. Wenn er gewusst hätte, was Schlagzeugspielen im Gehirn bewirken kann, nämlich das Zusammenschalten beider Gehirnhälften, hätte er mich es sogar lernen lassen, weil er dann gewusst hätte, dass es mir vielleicht sogar beim Lernen geholfen hätte. Es verändert auch den Menschen. Wenn ich mir immer nur denke: „Kann der eine Sprache, Mathematik? Kann der dieses oder jenes? Dann geht viel verloren, was ein Mensch sonst in den Beruf mitbringt und für das berufliche Leben nutzen kann. Wie suchst du dir aber heute Menschen aus, wenn du einen Job ausschreibst? Du suchst dir natürlich aus, welche Qualifikationen er hat und was jetzt für den Beruf relevant ist. Aber genauso interessiert dich, was er sonst noch macht, wie er seine Freizeit gestaltet. Das wird jedoch dann negiert, wenn es die Weiterbildung auf dieser Ebene nicht mehr geben könnte. Man muss sagen, dass Wien hier sehr fortschrittlich ist. Die Wiener VHS haben ein Programm, das nicht nur berufsorientiert, sondern auch sehr persönlichkeitsorientiert ist. Und das können wir uns auch nur leisten, weil wir die Förderungen (von) der Stadt bekommen. Wir in Wien sind da noch gut, aber der europäische Trend ist anders.

BUM: In Wien gibt es 60 % Menschen mit Migrationshintergrund. Gibt es unter denen viele, die ihren eigenen Kindern Stolpersteine auf den Bildungsweg legen? SCHWEIGER: Das glaube ich nicht. Meiner Erfahrung nach ist oft das, was Stolpersteine bringen könnte, der Bildungshintergrund, den die Eltern haben. Es heißt ja auch so schön: „Bildung ist vererbbar und das ist unabhängig davon woher du kommst“. Das gilt für Österreicher genauso, wie für Leute, die zuwandern. Das ist, glaube ich, der Hauptgrund, warum Bildungskarrieren sich oft nicht so entwickeln, wie die seiner eigenen Eltern. Wir merken das ganz stark bei der Förderung 2.0, bei der Gratisnachhilfe. Viele der Eltern wollen, dass ihre Kinder eine bessere Bildung haben. Wir finden viele Kinder mit Migrationshintergrund, bei denen die Eltern mit Migrationshintergrund sich das für ihre Kinder wünschen. Es gibt aber auch unter diesen Eltern, die darauf wenig Wert legen. Es kommt immer wieder vor, dass Eltern sagen: „Du brauchst nichts zu lernen, du gehst zu mir in das Geschäft und verkaufst dort dein Obst“. Oft werden damit sogar Lehrer blockiert, weil man sagt: „Du hast ohnehin den Onkel, bei dem du arbeiten kannst“. Aber das kann man nicht generell sagen.

BUM: Aber was kann man konkret da tun? SCHWEIGER: Ich glaube, dass es sehr viel an der Zusammenarbeit mit Vereinen und Organisationen liegt, die mit den MigrantenInnen im stetigen Kontakt sind. Ich glaube, wenn diese Communities, die es da gibt, verstärkt auch darauf hinweisen, dann setzt sich das auch stärker durch. Es ist wichtig, dass man an Menschen herankommt, die selber kein hohes Bildungsniveau haben und ihnen erklärt, was das für ihre Kinder in Zukunft bedeutet, wenn sie sich da nicht herausarbeiten können.

BUM: Das ist genau mein Zugang. Eine Integration der Migranten gibt es nicht ohne Migranten. SCHWEIGER: Genau, und wir arbeiten schon sehr gut mit manchen Vereinen zusammen, die mit Migranten zu tun haben und die auch selbst einen Migrationshintergrund haben. Also nicht irgendwie von uns aufgestellt sind, sondern die sich selbst aufgestellt haben. Weil du dort einfach eine andere Nähe zu den Personen hast. Und wenn diese Vereine dieses Thema aufrollen und den Leuten erklären, was das bedeutet, dann ist das wirkungsvoller, als wenn ich das als VHS alleine tun würde.

BUM: Noch einmal die gleiche Zahl: 60% der Wähler haben Migrationshintergrund. Was bedeutet diese Zahl konkret für die VHS Wien? Punkt Personal? Punkt Angebot? SCHWEIGER: Wir haben ja nicht nur unser klassisches VHS Programm, sondern wir haben viele Projekte und Maßnahmen, die auch von der Politik gefördert werden, weil man weiß, dass hier Bedarf ist. Also ich sage jetzt ganz offen, wir haben vor einem halben Jahr mit der Integration „ab Tag 1“ begonnen, das heißt Deutschkurse für AsylwerberInnen. Du benötigst nicht einmal eine Aufenthaltsgenehmigung. Das ist ganz entscheidend für Leute, die nicht wissen, ob sie bleiben dürfen oder nicht. Diese einfach schon vom ersten Tag an in Deutschkurse zu holen und ihnen da etwas mitzugeben. Ich sage immer, auch wenn diese Menschen dann hier nicht bleiben dürfen, so haben sie etwas mitbekommen, was quasi eine Zusatzqualifikation ist. Auf der anderen Seite ist auch hoch interessant das Jugendkolleg, das ohne diese Migrationswelle nie entstanden wäre. Wo Jugendliche vorbereitet werden, sich orientieren zu können, in welchen Beruf sie gehen wollen, wo sie berufsfit und lehrlingsfit gemacht werden. Das schaut ähnlich wie eine Schule aus, aber es ist keine. Da lernen sie Ähnliches wie Mathematik, Deutsch, Englisch – das hätte es ohne die Migrationswelle gar nicht gegeben.

BUM: Thema Personal? SCHWEIGER: Das Personal war immer etwas, was bei uns sehr bunt ist. Es gibt ein sehr buntes Personal. Uns ist wichtig, welche Qualifikation und Motivation die Menschen mitbringen und nicht, woher sie kommen. Wir sind deswegen recht bunt aufgestellt und das freut mich enorm.

BUM: Super. Sie sind begeisterter Golfer und haben in einem Interview gesagt: „Golf ist wie Bildung, das Spiel kann Menschen aus allen sozialen Schichten Freude bringen.“ Dabei ist Golf doch ein typischer Sport für Reiche, oder nicht? SCHWEIGER: (lacht) Das habe ich gesagt? Das zeigen Sie mir bitte, das habe ich nicht gesagt. Ich spiele Golf. Ich schaue auch, dass es nicht teuer ist, weil mir das wichtig ist. Ich habe meine ersten Schläger für 100 Euro und gebraucht gekauft. Ich habe in einem Club für 300 Euro im Jahr gespielt.

BUM: Ihr Lieblingsschulfach früher? SCHWEIGER: Hatte ich überhaupt eines? (lacht). Ah ja, früher hieß das „Bildnerische Erziehung“. Ich habe mich sogar einmal auf der Kunstschule beworben.

BUM: Lieblingsfleckerl in Wien zum Runterkommen? SCHWEIGER: Ah da gibt’s (überlegt)… Am besten geht das am Rande von Wien. Da gibt es viele schöne Plätze, an denen ich herunterkommen kann.

BUM: Mit welcher Persönlichkeit, egal ob tot oder lebendig, würden Sie gerne einmal essen gehen? SCHWEIGER: Hm (überlegt)! Ich möchte jetzt keinen bevorzugen (lacht)! Bruno Kreisky.

BUM: Welches Konzert haben sie zuletzt besucht? SCHWEIGER: Alice Cooper.

BUM: Gibt es eine TV Serie, die Ihnen besonders zusagt? SCHWEIGER: Wenn ich dazu komme (überlegt), dann „Big Bang Theorie“. Diese Serie liebe ich. Ich mag die Dialoge, ich mag die Charaktere dort. Und was ich auch, komischerweise wahrscheinlich wegen meines Alters, gerne anschaue, ist ein gewisser Tatort – mit dem Gerichtsmediziner und dem Kommissar aus Hamburg.

BUM: Wohin würde sie morgen gerne verreisen? SCHWEIGER: Was ich mir vorgenommen habe und das könnte auch schon morgen sein, würde ich gerne nach Neuseeland fliegen. Dort würde ich gerne 3-4 Monate verbringen, mir das Land anschauen und mir ein Maori Tattoo machen lassen.

BUM: Das Thema des letzten Tratschgesprächs? SCHWEIGER: (Lacht) Weiter!

BUM: Was mögen sie an ihrer Arbeit nicht? SCHWEIGER: Was mich immer sehr beschäftigt ist, wenn ich mit Betroffenen über gravierende dienstliche Veränderungen oder Konsequenzen reden muss. Das bleibt nie rein beruflich. Das ist immer sehr persönlich und oft tut es weh.

BUM: Sie sind kein Anhänger von? SCHWEIGER: Ich mag auf alle Fälle nichts was ausgrenzend ist.

BUM: Super das war´s. Dankeschön. SCHWEIGER: War ein nettes Interview. Eines der nettesten bis jetzt.

 

Foto: Igor Ripak

 

 

 

 

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