Soll das Kopftuch im öffentlichen Dienst verboten werden?

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Wir haben nachgefragt: Soll das Kopftuch im öffentlichen Dienst verboten werden?

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Sabine Oberhauser, Frauenministerin: „Erstens: In Österreich ist Religionsfreiheit verfassungsrechtlich verankert. Zweitens: Chancengleichheit unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht, etc. war uns schon immer wichtig. Das bedeutet für mich ganz klar: Wer über Verbote spricht, muss alle Religionen miteinbeziehen. Man kann sich nicht ein einzelnes religiöses Symbol herauspicken.“

 

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Credit: Hans Hofer

Muna Duzdar, Staatssekretärin für Diversität: „Es ist für mich unseriös in dieser Frage eine einzige Religion herauszupicken und es ist inakzeptabel über Kleidungssymbole zu diskutieren, die nur Frauen betreffen. Entweder wir führen eine konstruktive und ehrliche Säkularismus-Debatte über das Verhältnis von Religion und Staat und diskutieren dabei über alle religiösen Kleidungssymbole oder man lässt es bleiben.“

 

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Credit: Sebastian Philipp

Rudi Kaske, AK-Präsident: „Diese Debatte lenkt von wirklichen Problemen ab, etwa Arbeitslosigkeit und sozialer Ungleichheit. Wir vertreten alle ArbeitnehmerInnen, unabhängig von Weltanschauung oder Religion. Der öffentliche Dienst ist für alle da. Erlaubt der Staat religiöse Symbole wie Kreuz und bestimmte Haartrachten, muss er jede anerkannte Religion gleich behandeln. Einseitigkeit ist falsch.“

 

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Niki Scherak, NEOS-Menschenrechtssprecher: „Grundsätzlich ist es nicht die Aufgabe des Staates, den Menschen vorzuschreiben, was Sie anziehen sollen. Darüber hinaus widerspricht gerade im öffentlichen Dienst das Herauspicken einer bestimmten Religion dem Gleichheitsgrundsatz. Wird das Tragen des Kopftuchs im öffentlichen Dienst verboten, dürften dann ja auch keine Kreuze mehr offen gezeigt werden.“

 

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SPÖ Wien

Sandra Frauenberger, Stadträtin für Frauen und Integration: „Im öffentlichen Dienst ist das Tragen von Kopftüchern nicht verboten. Kopftuchverbote schließen Frauen von wichtigen Facetten des Lebens, in diesem Fall vom Arbeitsmarkt aus. Lehrerinnen müssen vor allem Lehrinhalte, Pädagogik und Werte, wie Demokratie und Gleichberechtigung, vermitteln. Nur wer diese einhält, darf an unseren Schulen unterrichten. Dazu gibt es Qualitätskontrollen, egal welchen Glauben die Person hat.“

 

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Herbert Schweiger, VHS Wien-Geschäftsführer: „Ich sehe keinen Anlass für ein Verbot. Zumindest nicht auf Grundlage einer künstlich geschürten Debatte. Hier wird offensichtlich mit einem Symbol Stimmung gemacht, um in weiterer Folge mit Stimmung Politik machen zu können. Aus der Praxis kann ich sagen, dass es bei den Wiener Volkshochschulen keinen Unterschied macht, ob Mitarbeiterinnen Kopftuch tragen oder nicht.“

 

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Carla Amina Baghajati, Frauenbeauftragte der IGGiÖ: „Nein! Das würde die Religionsfreiheit in Frage stellen, die der neutrale und säkulare Rechtsstaat eigentlich schützt. Frauen mit Kopftuch finden schwer einen Job – trotz Antidiskriminierungsgesetz. Der Staat sollte hier Vorbildwirkung haben. Berufliche Teilhabe stärkt Frauen gegen patriarchale Denkmuster. Auf den Köpfen der Frauen darf keine Symbolpolitik betrieben werden.“

 

 

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Die Grünen / Jürg Christandl

Alev Korun, Menschenrechtssprecherin der Grünen: „Wer im öffentlichen Dienst arbeitet, muss alle BürgerInnen gleich behandeln. Darauf kommt es an. Ein Atheist könnte Schwule diskriminieren, ein Christ Muslime, eine Muslima Juden. Das wäre alles gleich inakzeptabel. Entscheidend ist also das ganz konkrete Verhalten der Person im Staatsdienst, weniger seine Kleidung, ob Kippa, Sikh-Turban oder Kopftuch.“

 

 

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