“Sebastian Kurz und die ÖVP sind das Sinnbild gekaufter Politik!”

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Ahmed Husagic ist auf Platz 16 der Bundesliste der SPÖ und spricht mit Dino Schosche (Herausgeber BUM Magazine) über die bevorstehenden Wahlen am 29. September: Was muss die Partei besser machen, gibt es wirklich zwei Lager bei der SPÖ und wen sollen MigrantInnen aus Ex-Jugoslawien oder der Türkei wählen? 

BUM: Was muss man eigentlich leisten, damit man auf Platz 16 der SPÖ-Wahlliste landet?

Ahmed Husagic: Man muss die sozialdemokratische Idee leben und viele Menschen von dieser Idee überzeugen.

 BUM: Ist der SPÖ das Thema Migration oder Integration auf einmal wichtiger geworden?

Ahmed Husagic: Diese Themen waren uns immer schon wichtig, denn ohne Zusammenhalt und Solidarität kann eine Gesellschaft nicht funktionieren. Uns ist aber bewusst, dass die Herausforderungen rund um das Thema Migration/Integration vielfältig und komplex sind. Statt wie andere Parteien auf Hetze und billigen Populismus zu setzen, geht es uns um ernsthafte Lösungsansätze.

 BUM:Wieso sollten MigrantInnen aus Ex-Jugoslawien oder aus der Türkei am 29. September die SPÖ wählen?

Ahmed Husagic: Die Menschen aus Ex-Jugoslawien und aus der Türkei, die während der 1960er- und 1970er-Jahre meist als sogenannte „GastarbeiterInnen“ oder in den 1990ern als Flüchtlinge nach Österreich gekommen sind, sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Sie waren maßgeblich am wirtschaftlichen Aufschwung beteiligt und haben einen großen Beitrag zum Wohlstand in unserem Land geleistet. Als SPÖ ist es uns ein großes Anliegen, dass jene Menschen nun auch etwas zurückbekommen für ihre Leistungen. Wir wollen ihnen auch in Zukunft ein gutes Leben ermöglichen und vor allem ihren Kindern und Enkelkindern Perspektiven in Österreich eröffnen. Ich verspreche, mich persönlich gegen Diskriminierung und Rassismus starkzumachen.

BUM: Was muss die SPÖ bis zum 29. September besser machen?

Ahmed Husagic: Es gibt immer Luft nach oben, aber wir haben den richtigen Weg eingeschlagen: Wir wollen mit unseren Inhalten im Wahlkampf punkten – nicht mit Schmutzkübelkampagnen. In den kommenden Wochen werden wir alles geben, um so viele Menschen wie möglich von unserer Vision eines sozialen und gerechten Österreichs zu überzeugen.

BUM: Wie ist deine persönliche Meinung über Sebastian Kurz?

Ahmed Husagic: Ich kann mit ihm als Politiker wenig anfangen. Kurz und die neue ÖVP sind das Sinnbild gekaufter Politik. Man denke nur an die vielen Steuerzuckerln und Geschenke für die ÖVP-Großspender, die während der türkis-blauen Regierungszeit beschlossen wurden. Oder wie rücksichtslos Kurz den Sozialabbau vorangetrieben hat. Das ist keine Politik für die Mehrheit der ÖsterreicherInnen und bringt unser Land nicht weiter. Seine Politik im Bereich Integration ist auch hoch fraglich. Sie trägt nicht zum Zusammenhalt bei.

 BUM: Unter welchen Voraussetzungen ist eine türkis-rote Regierung nach den Wahlen möglich?

Ahmed Husagic: Um über diese Dinge nachzudenken, muss die Wahl erst geschlagen werden. Unser Ziel ist es, stimmenstärkste Partei zu werden. Über die Verhandlungen können wir gerne danach reden. Derzeit gibt unsere Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner alles, um die Wahl für die SPÖ zu entscheiden.

BUM: Mein persönlicher Eindruck ist, dass es bei den Roten leider viele PolitikerInnen gibt, die nicht gerade mutig sind, wenn es um heikle Themen wie Integration geht, weil sie Angst vor der rechten Hetze haben …

Ahmed Husagic: Deinen Eindruck kann ich nachvollziehen. Es ist notwendig, dass wir Themen selbstbewusst und lösungsorientiert behandeln. Rechter Hetze müssen wir uns entschieden entgegenstellen.

BUM: Manchmal schaut es so aus, als ob es bei der SPÖ zwei Lager gebe: diejenigen, die eher zu einer restriktiven Integrationspolitik neigen, und auf der anderen Seite die weltoffenen, die einen liberaleren Zugang haben …

Ahmed Husagic: Die SPÖ ist eine breite Partei mit einer 130-jährigen Geschichte. Eine Partei lebt von Meinungsvielfalt und Meinungsaustausch, nur so können wir unsere Inhalte gut durchdacht und guten Gewissens in die Öffentlichkeit tragen – nämlich gemeinsam.

BUM: Was sind die Hauptgründe für die schlechten Umfragewerte der SPÖ? Unklare Positionen? Oder zu häufige Personalrochaden?

Ahmed Husagic: Die Aussagekraft von Umfragen darf meiner Meinung nach nicht überschätzt werden. Ein Viertel der Österreicherinnen und Österreicher ist noch unentschlossen, wen sie am 29. September wählen werden. Wir wollen auf die Wählerinnen und Wähler eingehen, die sich noch nicht entschieden haben, indem wir sie von unserer Vision eines sozialen, nachhaltigen und menschlichen Österreichs überzeugen.

BUM: Was wäre deine Wunschkoalition nach den Wahlen?

Ahmed Husagic: Ich bin klar für eine Mitte-links-Regierung.

 

Fotocredits: Michael Mazohl

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